| [last
update: 30.12.2001]
Strecke Remagen - Ahrbrück
Ahrtalbahn 2001 (2) [<<< Übersicht] 29.12.2001
Herbstangebot der Ahrtalbahn reicht aus (KRU)
AHRKREIS. An den Wochenenden im Herbst wurde es eng in den Zügen der Ahrtalbahn zwischen Remagen und Ahrbrück. Wiederholt mussten Fahrgäste zurückbleiben, weil die Züge zu kurz waren. Für die Landtagsabgeordnete Elke Kiltz von Bündnis 90/Die Grünen ein Grund nachzufragen, ob sich die Situation nicht verbessern lässt durch den Einsatz von lokbespannten Vier-Wagen-Zügen mit größerer Platzkapazität, durch Taktverdichtung und durch eine modernere Leit- und Technik. Die Antwort des Verkehrsministeriums auf ihre Kleine Anfrage: Bei der starken Nachfrage an den Weinfestwochenenden von Anfang September bis Anfang November sei zu berücksichtigen, dass der Auslastungsgrad des Wochenendverkehrs auf der Ahrtalbahn wesentlich von der Witterung abhänge. Das Platzangebot sei durch den Triebwageneinsatz nur unwesentlich verringert worden. Bei den gegenwärtig zum Einsatz kommenden Talent-Triebwaen in Doppeltraktion könnten rund 300 Sitzplätze angeboten werden, während in den früher eingesetzten lokbespannten Vier-Wagen-Zügen rund 330 Sitzplätze zur Verfügung gestanden hätten. Die Triebwagen wiesen jedoch eine modernere Technik und günstigere Lärm- und Abgaswerte auf. Für die neue Leit- und Sicherungstechnik auf der Ahrtalbahn sei eine rechnergesteuerte Signaltechnik vorgesehen. Die Landesregierung gehe davon aus, dass damit gleichzeitige Einfahrmöglichkeiten in die Kreuzungsbahnhöfe möglich werden, wodurch der Betriebsablauf flexibler werden könne. Es sei aber nicht notwendig, das Angebot des Rheinland-Pfalz-Taktes auf der Ahrtalstrecke weiter zu verdichten. Rhein-Zeitung vom 29.12.2001
gon Remagen. Verkehrsminister Hans-Artur Bauckhage hat für den Umbau des Bahnhofs in Remagen eine Landeszuwendung in Höhe von etwa 6,1 Millionen Mark zugesagt. Im Rahmen des Umbaus soll auf der Südseite des Bahnhofs eine Park and Ride-Anlage mit 200 Stellplätzen entstehen. Ferner wird durch den Einbau von vier Personenaufzügen die Erschließung der Bahnsteige für mobilitätsbehinderte Personen sicher gestellt. Die Gesamtkosten sind mit etwa 9,2 Millionen Mark veranschlagt. Bauckhage betonte, neben Koblenz sei Remagen der meist frequentierte Bahnhof im nördlichen Rheinland-Pfalz. Kölner Rundschau vom 19.12.2001.
Von Wolfgang Kirfel Kreis Ahrweiler. "Man muss schon ein ausgesprochener Freund der Bahn sein, um da nicht den Mut zu verlieren." Erwin Schmitt, Chef der Verpackungsfirma J. M. Schmitt in Heimersheim, will sich mit der im September vollzogenen Schließung des Güterumschlageplatzes Bad Neuenahr und dem damit verbundenen Ende des Güterverkehrs auf der Ahrtalbahn nicht abfinden und sucht nach anderen Lösungen. Ein Interessent für die Reaktivierung des Güterverkehrs ist mit der privaten Rhein-Sieg Eisenbahn (RSE) vorhanden, doch deren Engagement wird von Deutsche Bahn Cargo (DB Cargo) behindert. Deshalb will Schmitt nun das Verkehrsministerium in Mainz um Hilfe bitten: "Wir haben nur eine Chance, wenn das Land Druck auf DB Cargo ausübt." Nach 121 Jahren war im September der letzte Güterwagen auf der Ahrtalbahn auf die Reise geschickt worden, weil das Güteraufkommen in Bad Neuenahr laut DB Cargo nicht ausreichte. Davon betroffen waren neben Schmitt auch die Firma Apollinaris & Schweppes und das Forstamt Ahrweiler. Als Erwin Schmitt dann bei der DB Cargo anfragte, wieviel ihn der Weitertransport pro Waggon koste, wenn er die Güter mit dem Lkw zum Güterbahnhof Köln-Eifeltor bringe, musste er erfahren, dass die Preise massiv angehoben worden waren. Hatte er bislang für einen Transport von Bad Neuenahr nach Detmold nach eigenen Angaben 870 Mark pro Waggon zahlen müssen, so forderte DB Cargo jetzt für den Weitertransport ab Köln-Eifeltor stolze 1000 Mark pro Waggon. "Hinzu kommen dann ja noch die Lkw-Transportkosten bis nach Köln", kann Schmitt diese Preisgestaltung nicht verstehen. Aber das dicke Ende kommt noch: Als die private Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE) aus Bonn dann anfragte, was sie für den Weitertransport von Köln nach Detmold zahlen müsse, wollte DB Cargo laut RSE plötzlich 2530 Mark pro Waggon haben. "Immobilienmakler sind schnell dabei" Der geschäftsführende Gesellschafter der RSE, Rainer Bohnet, bestätigte das seltsame Preisgebaren der DB Cargo auf Anfrage: "Für uns ist das nicht nachvollziehbar." Die RSE wird am 1. Januar die Güterverkehrsstelle Weißenthurm südlich von Andernach übernehmen. "Dann könnten wir auch Bad Neuenahr bedienen", erklärte Bohnet, der vergangene Woche noch zu Gesprächen in Mainz war. Aufpassen müsse man auf die vorhandene Infrastruktur, denn die "Immobilienmarkler der DB Netz seien schnell bei der Sache", so Bohnet. "Auch der Kreis und die Kommunen müssen, solange noch Gespräche laufen, ein Interesse am Erhalt der Infrastruktur haben." Für die unterschiedlichen Preisangaben hatte Sabine Großkopf, Pressesprecherin von DB Cargo, keine Erklärung: "Wo die RSE den Preis her hat, können wir nicht nachvollziehen." Eventuell könne es sich um eine ganz allgemein gehaltene Anfrage gehandelt haben. "Bei unseren Kundenberatern hat die RSE keine konkrete Preisanfrage gestellt", so die Pressesprecherin. Der Schmitt mitgeteilte Preis sei der derzeit gültige. Das Forstamt Ahrweiler bringt nach der Schließung der Güterumschlagplätze in Bad Neuenahr und Mayen sein Holz nun zur Verladung ins benachbarte Euskirchen. Dadurch sind die Wege für die Lkw, die das Holz vom Wald bis zum Bahnhof transportieren müssen, allerdings weiter geworden, was sich auch in den Kosten niederschlägt. "Dies bereitet uns massive Probleme, denn der Kunde in Dänemark orientiert sich am Weltmarktpreis und nicht an unseren Transportkosten", so Forstamts-Leiter Hannsjörg Pohlmeyer. Erst jüngst sind laut Pohlmeyer in Euskirchen wieder 350 Festmeter Eiche und 200 Festmeter Holz verladen worden. Dies seien fünf bis sechs Waggonladungen. Auch beim Kreis war der Güterverkehr schon Thema. Kreispressesprecher Jürgen Kempenich: "Es haben Gespräche zwischen der Kreisverwaltung sowie Herrn Schmitt und der Firma Apollinaris stattgefunden." Der Kreis sei jedoch nicht zuständig und könne, wenn überhaupt, nur vermitteln. Man werde sich - wie mit den beiden Firmen vereinbart - nochmals an den Zweckverband SchienenPersonenNahverkehr Rheinland Pfalz Nord (SPNV-Nord) und das Mainzer Wirtschafts- und Verkehrsministerium wenden. Im Januar solle ein Gespräch zwischen dem Ministerium, dem SPNV, der Industrie- und Handelskammer und DB Cargo stattfinden. Thema soll die weitere Bedienung unter anderem der Ahrtalbahn sein, so Kempenich. Der SPNV-Zweckverband sei Anfang des Jahres auch auf Initiative des Kreises in der Verbandsversammlung gegenüber DB Cargo und dem Ministerium tätig geworden. Kölner Rundschau vom 18.12.2001.
Bei Weinfesten werden die Kapazitäten gesprengt - Zusätzliche Haltepunkte der Ahrtalbahn wird's kaum geben Ahrweiler. (rr) "Die Ahrtalbahn ist weit besser als ihr Ruf", übernahm der Grüne Willi Tempel im Kreistag einen Ausspruch des Geschäftsführers des Zweckverbandes Schienen-Personen-Nahverkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV-Nord), Stephan Pauly. Dennoch sah Tempel beim Grünen-Thema zur Weiterentwicklung der Bahnstrecken im Kreis Ahrweiler eine Reihe von Mängeln (der GA berichtete), die es zu beseitigen gelte. Foto: Der Talent am Heimersheimer Bahnhof. Bei den Weinfesten der Ahr stößt er an seine Grenzen. Foto: Vollrath So dürfe es nicht vorkommen, dass bei den bekannten Weinfesten an der Ahr Fahrgäste auf Bahnhöfen zurück bleiben müssten, weil der Talent-Zug überfüllt sei. "Beim Bahnhof Remagen klappte das mit den Sonderzügen, dank flexibler Mitarbeiter, früher besser", meinte Tempel. Offenbar sei versäumt worden, rechtzeitig bei der Bahn mehr Kapazitäten zu bestellen. Auch sei der weitere Ausbau der Ahrtalstrecke voranzutreiben. Tempel kritisierte die Einstellung des Güterverkehrs auf der Strecke. "Die von der Bahn geforderten Trassenpreise sind skandalös und hindern eine private Fortführung des Güterverkehrs", sagte Landrat Jürgen Pföhler. Immerhin, vier Güterwaggons führen im Schnitt täglich auf der Strecke. Eckehard Spitznagel (CDU) aus Sinzig zog ein Fazit aus einer kürzlichen Podiumsdiskussion in Bonn: Dort sei das Zentrum für die Rheinschiene und das Ahrtal, und deshalb müsste der ÖPNV direkte und zügige Verbindungen dorthin ausbauen. Allerdings, der Service insbesondere an den Bahnhöfen sei miserabel. Eine schmutzige Wartehalle in Bad Bodendorf hatte Spitznagel gerade erst "genossen", und noch dazu kaum Personal. "Volle Züge werden kritisiert, bei vollen Festveranstaltungen spricht jeder von Erfolg", sagte Pauly. Die SPNV-Nord habe in diesem Jahr erstmals mehr Züge für die Weinfeste auf die Schienen gebracht, als je zuvor. Auch die Dampfzüge hätten, anders als vorgesehen, Fahrgäste mitgenommen. Der moderne Talent könne aber nicht verlängert werden, weil vier Bahnsteige an der Ahrtalstrecke schlichtweg zu kurz seien. Auch setze die überholte Infrastruktur am Bahnhof Walporzheim mit dem Übergang von der zwei- zur eingleisigen Strecke Grenzen für eine Ausweitung der Kapazität. Dennoch, die Ahrtalbahn halte mit 1 500 bis 1 800 Reisenden täglich die Spitze des Regionalverkehrs in der SPNV-Nord. Die nehme die Bahn in die Pflicht und habe sie bereits zu Millionen Mark an Strafgeldern, so bei Verspätungen oder Ausfall auf der Rheinstrecke, verdonnert. Spätestens bis 2004/5 werde eine moderne Leit- und Sicherungstechnik bei der Ahrtalbahn eingeführt. Den Vorteilen dadurch, unter anderem ein zusätzlicher Haltepunkt, stehe aber der Nachteil gegenüber, dass dann die Fahrdienstleiter wegfallen, die dem Kunden persönlich weiterhelfen. Mehr als ein zusätzlicher Haltepunkt, so eventuell in Bad Neuenahr an der Weinbergstraße, sei nicht zu realisieren, und selbst der sei äußerst ungewiss. Der SPNV-Nord setze seine Kraft für Verbesserungen auf der Ahrtalstrecke ein und werde sich besonders um eine bessere Information der Bahnkunden bei unvorhergesehenen Ereignissen bemühen. (GA 10.12.2001)
Kreis Ahrweiler. Vorwürfe an den Kreis richtete der Grünen-Kreistagsabgeordnete Willi Tempel beim Punkt "Weiterentwicklungen der Bahnlinien im Kreis Ahrweiler" im Kreistag. "Wie kann fortan verhindert werden, dass am Bahnsteig Fahrgäste zurückbleiben?", fragte er und setzte hinzu, der Mangel an Kapazitäten bei Festen sei in erster Linie ein "Informationsdefizit seitens des Kreises und Tour". Zum Thema Güterverkehr betonte Tempel, der Apollinaris-Werkleiter Michael Kallfels habe ihm gegenüber erst vor kurzem großes Interesse am Transport via Bahn signalisiert. "Eines der Grundprobleme ist die Bahn AG", hielt Landrat Dr. Jürgen Pföhler dagegen; bei dem Transport von Gütern hätten Gespräche mit den betreffenden Unternehmen gezeigt dass wenig Bündelung möglich sei. Stefan Pauly, Stellvertretender Verbandsdirektor des Zweckverbandes Schienenpersonennahverkehr Rheinland Pfalz Nord (SPNV), betonte, volle Züge seien als ein Zeichen des Erfolgs zu werten. Gerade in diesem Jahr seien so viele Kapazitätsausweitungen wie noch nie bestellt worden, da ärgere die Kritik der Grünen um so mehr. Von den technischen Voraussetzungen existiere nun einmal die Grenze, dass kein Zug länger sein dürfe als der Bahnsteig; und die Variante, mehr Fahrten anzubieten, falle unter anderem in die Zuständigkeit der DB Netz AG. Bei Verspätungen seien in der letzten Zeit "erhebliche Vertragsstrafen gegenüber der DB Regio AG durchgesetzt" worden, Pauly nannte eine Summe von 12 Millionen Mark - das sei ein erster Schritt, die Bahn zu erziehen. Der Antrag der Grünen, dass sich der ÖPNV-Arbeitskreis bei seiner nächsten Sitzung mit der Problematik beschäftigen solle und bis Mitte 2002 Vorschläge erarbeiten solle, wurde einstimmig beschlossen - ein Sachverhalt, der in Teilen jedoch bereits in der Vorlage der Verwaltung zur Grünen-Anfrage enthalten war. Quelle: Kölner Rundschau vom 08.12.2001.
Kreis Ahrweiler. Mit der Situation auf der Ahrtalbahn befasst sich nun auch der Landtag in Mainz. In einer kleinen Anfrage an die Landesregierung kritisieren Bündnis 90/Die Grünen das aus ihrer Sicht nicht ausreichende Platzangebot in den Zügen an den Weinfestwochenden und den Stand der Leit- und Sicherungstechnik auf der Strecke. Erneut hat sich dazu auch das Dernauer Kreistagsmitglied der Partei, Willi Tempel, zu Wort gemeldet und auf den bevorstehenden Luzia-Markt in Rech hingewiesen, bei dem es laut Tempel im Vorjahr auch einige überfüllte Züge gegeben habe. Zudem will er vom Zweckverband Schienen Personen Nahverkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV-Nord) wissen, wann die Langsamfahrstelle zwischen Walporzheim und Dernau in Stand gesetzt wird, und ob die Fahrer der Anschlussbusse in Ahrbrück nicht bei Zugverspätungen informiert werden können. Stephan Pauly, stellvertretender Verbandsdirektor des SPNV-Nord, wies die Kritik hinsichtlich des Platzangebotes zurück und erinnerte in Zusammenhang mit der Leit- und Sicherungstechnik auf die vorgesehene Erneuerung 2005 oder 2006. Die Langsamfahrstrecke soll laut Pauly, falls es die Witterung zulässt, noch in diesem Jahr beseitigt werden. "Insgesamt hat die Ahrtalbahn mit die wenigsten Beeinträchtigungen durch Langsamfahrstellen", lobte Pauly den Zustand der Strecke. In ihrer Anfrage kritisieren die Grünen, dass an den Weinfestwochenenden wiederholt Fahrgäste zurückbleiben mussten, weil die Züge zu kurz gewesen seien. Statt der im Herbst üblichen lokbespannten Vier-Wagen-Züge mit rund 400 Sitzplätzen setze die Deutsche Bahn Regio AG Talent-Triebwagen in Doppeltraktion mit rund 300 Sitzplätzen ein. Und der seitens der DB eingesetzte Dampfzug mit ausreichender Platzkapazität sei als Zusatzangebot nur bis zum 7. Oktober gefahren, so die Grünen. "Die alten Züge hatten rund 330 Sitzplätze, die Talent haben 300", entkräftet Pauly die Vorwürfe. Zudem habe der Talent mehr Stehplätze. "Volle Züge sind auch ein Erfolg", so Pauly. Und diese Probleme gebe es ja nur an einigen wenigen Tagen. Die Ahrtalbahn sei keine Modelleisenbahn, bei der man bei Bedarf einfach ein paar zusätzliche Wagen aus der Schachtel hole. "Insgesamt sind hier 11 Talent im Einsatz, die kosten rund 3,6 Millionen Mark pro Stück", verweist Pauly auf die Investitionen. Die Züge zu verlängern sei auch nicht möglich, "denn dafür sind die meisten Bahnsteige wie zum Beispiel am Ahrweiler Markt einfach zu kurz", so der SPNV-Nord Vertreter. Laut Eisenbahnbau- und Betriebsordnung dürften die Züge nur so lang sein wie die Bahnsteige. Dass die Dampfzüge überhaupt von allen Fahrgästen genutzt werden durften, sei eine Premiere gewesen, für die sich der SPNV-Nord eingesetzt und viel Lob bekommen habe, geht Pauly auf einen weiteren Punkt der Grünen ein. Es handele sich aber halt um ein befristetes Zusatzangebot. Die Leit- und Sicherungstechnik sei in der Tat sehr alt, räumte Pauly ein, "aber auch sehr sicher". 2005 oder 2006 solle die Technik erneuert werden. Dann stehe auch die von Tempel geforderte Information der Busfahrer bei Zugverspätungen zur Debatte. "Wir haben in den vergangenen Jahren viel für die Ahrtalbahn getan. Neue Fahrzeuge wurden angeschaft, und die Bahnhöfe in Ahrbrück, Mayschoß und Bad Neuenahr neu gestaltet", erinnerte Pauly an bislang durchgeführte Maßnahmen. "Die Ahrtalbahn ist viel besser als ihr Ruf." Mit unsachlicher Kritik erweise man ihr nur einen "Bärendienst". Quelle: Kölner Rundschau vom 17.11.2001. Bereits seit einiger Zeit sind die Züge
der Ahrtalbahn an den Wochenenden bis auf den letzten Platz gefüllt,
auch diesmal reichten die Stehplätze in den Fluren und Gängen
nicht aus. Fahrgäste wurden düpiert und abgewiesen. Diese Verhältnisse
sind bei der Bahn seit langem bekannt. Auch für dieses Wochenende
war bereits frühzeitig eine Fortsetzung der Schönwetterphase
angekündigt. Man sollte also meinen, die Bahn lernt etwas aus dem
Kundengroll. Beileibe nicht: Was sich am vergangenen Wochenende an manchen
Bahnsteigen abspielte, erinnerte an fünfzig Jahre zurückliegende
Verhältnisse bei der Bahn. Die Ahrtalbahn erfreut sich zunehmender
Beliebtheit. Dies entlastet auch die ohnehin überfüllten Straßen
im Ahrtal, gerade an den Weinwochenenden in den Monaten September und Oktober.
Die derzeitige Misswirtschaft schadet jedoch nicht nur dem angeschlagen
Ruf der Deutschen Bahn weiter, sondern vertreibt auch Kunden der Bahn und
Touristen aus dem Ahrtal. Am mangelnden Geld kann diese Misere wohl nicht
ihre Ursache haben: Wie könnte es sonst sein, dass Bahnchef Hartmut
Mehdorn in diesem Jahr Bundesmittel für die Bahn in Höhe von
1,35 Milliarden Mark nicht abrief? Dieses wachsende Miss-Management des
Vorstandchefs ist nicht nur bahnschädlich, sondern auch im höchsten
Maß kundenfeindlich.
Erneut katastrophale Zustände auf der Ahrtalbahn Ahrtal. Heftige Kritik an der Deutschen
Bahn AG gab es auch diesem Wochenende wieder von empörten Fahrgästen.
Obwohl der Bahn seit Jahren bekannt ist, dass bei Schönwetter die
Zugkapazitäten der Ahrtalbahn an den Herbst-Wochenenden nicht ausreichen,
gab es auch diesmal wieder tumultartige Szenen an den Bahnsteigen. Im Bad
Neuenahr beispielsweise gab es für den Zug in Richtung Ahrbrück
(planmäßige Abfahrt Bad Neuenahr 10.21 Uhr) Handgemenge um eine
Mitfahrgelegenheit. Wer keinen Platz mehr in den von zwei alten Dieselloks
gezogenen beiden Wagen fand, musste zwangsläufig stehen bleiben.
- wite - Krupp-Blatt
Bad Neuenahr. (syn) Zum Handgemenge unter Fahrgästen, die einen Platz im Zug bekommen wollten, soll es am Wochenende am Neuenahrer Bahnhof gekommen sein. "Die Situation lässt sich als tumultartig beschreiben", berichtet Willi Tempel. Obwohl bekannt sei, dass die Kapazität der Ahrtalbahn an den Herbst-Wochenenden mit schönem Wetter nicht ausreiche, würde die Bahn zu wenige Züge einsetzen, moniert der Grünen-Politiker. Quelle: GA vom 22.10.2001.
Ein Stuttgarter Labor untersucht die weiße Substanz von der Bäckertüte aus dem Bad Neuenahrer Bahnhof - Das Gebäude bleibt geschlossen, die Züge fahren planmäßig Von Evelyn Stolberg Bad Neuenahr-Ahrweiler. Wegen Verdachts auf Milzbranderreger ist das Bad Neuenahrer Bahnhofsgebäude vorsorglich abgesperrt. Auch am Mittwoch und Donnerstag werden Fahrgäste im Gebäude keine Karten kaufen können. Feuerwehrleute in Schutzanzügen verfrachten die Tüte mit dem weißen Pulver zum Weitertransport nach Stuttgart in einen Plastiksack. Foto: Vollrath Der Grund: Zwei Reinigungskräfte haben am Dienstagmorgen bei einem Routineeinsatz weißes Pulver in einem Bahnhofsschließfach gefunden, das sich in und um eine Bäckereitüte befand. Die Gleise können problemlos erreicht werden, der Bahnbetrieb wird planmäßig fortgesetzt. Vor dem Hintergrund der Terroranschläge in den USA und der Gefahr durch Milzbranderreger verständigten die Reinigungskräfte nach ihrem Fund kurz vor elf Uhr die Polizei. Diese informierte die Feuerwehr und den BGS. Feuerwehrleute steckten Tüte und Pulver aus dem Schließfach in ein luftdichtes Fass, das zur Untersuchung in ein Labor nach Stuttgart geschickt wurde. Mit dem Ergebnis wird frühestens am Donnerstag gerechnet. Bis dahin bleibt der Bahnhof gesperrt. Den Reinigungskräften wurde vorsorglich Antibiotika verabreicht. Polizeichef Erwin Dentgen sieht jedoch keinen Grund für unnötige Panik: "Es gibt keinen Hinweis, dass es sich bei dem Pulver um Milzbranderreger handelt. Dass wir das Bahnhofsgebäude abgesperrt haben, ist eine reine Vorsichtsmaßnahme." Udo Schumacher, Leiter der Feuerwehr in Bad Neuenahr-Ahrweiler, erklärte ebenfalls, dass nicht feststehe, um was für eine Substanz es sich bei dem Pulver handele. Nach dem Einsatz im Bahnhof steckten die Wehrleute ihre Schutzkleidung vorsorglich in eine bereitgestellte Tonne. Foto: Vollrath "Wir sind in diesem Fall von der größtmöglichen Gefahr ausgegangen." Sechs Feuerwehrleute waren bei der Aktion, bei der das Pulver geborgen wurde, im Einsatz. Zwei Wehrmänner betraten das Bahnhofsgebäude mit so genannten leichten Chemikalienschutzanzügen und Atemschutzgeräten. Sie füllten die weiße Substanz in ein Fass, und steckten dieses wiederum in eine Plastiktüte. Schumacher: "Es besteht kein Grund zur Sorge. Selbst wenn es sich bei dem Pulver um Milzbranderreger handeln sollte - so lange die Substanz fest, und nicht gasförmig ist, besteht keine Gefahr." Aufsehen erregten bei dem Einsatz ein Gerätewagen für Gefahrenstoffe und ein Messfahrzeug für Gefahrenstoffe der Feuerwehr. Schumacher, der auch stellvertretender Kreisfeuerwehrinspekteur ist, weiter: "Wir haben hier viel Aufwand betrieben, ohne zu wissen, um was es sich für eine Substanz handelt. Noch vor zwei Monaten hätten wir vermutlich nicht so reagiert. Vielleicht war's nur Puderzucker." Quelle: GA vom 16.10.2001.
Von Wolfgang Kirfel Kreis Ahrweiler. Es war ein denkwürdiger Moment, als am vergangenen Freitag am Bad Neuenahrer Bahnhof der letzte Güterwaggon abgefertigt und auf die Reise geschickt wurde. Denn damit endete nach 121 Jahren zumindest vorläufig der Güterverkehr auf der Ahrtalbahn. Doch die Vertreter der von der Schließung des Güterumschlageplatzes in Bad Neuenahr betroffenen Firmen hoffen, dass damit noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Heute Morgen suchen sie im Kreishaus mit Landrat Dr. Jürgen Pföhler nach Lösungen. Die Deutsche Bahn Cargo hat ihren letzten Güterumschlageplatz in Bad Neuenahr nach eigenen Angaben aus Rentabilitätsgründen geschlossen. "Insgesamt haben wir im Einzelwagenverkehr pro Jahr 300 Millionen Mark Verlust gemacht", warb der Pressesprecher der Deutschen Bahn AG, Gelfo Kröger, um Verständnis für die Schließung. Ein Waggon täglich, wie auf der Ahrtalstrecke, rechne sich nicht für die Bahn. Zudem sei das Güteraufkommen bei Apollinaris & Schweppes von 43 Wagenladungen 1997 auf 14 Ladungen im vergangenen Jahr zurückgegangen. Betroffen von der Schließung sind die Firma Apollinaris & Schweppes und die Verpackungsfirma J. M. Schmitt aus Heimersheim, die als einzige Betriebe entlang der Ahrtalstrecke noch Güter mit der Bahn verschickten und die dafür jetzt Lkw einsetzen müssen. Der Niederlassungsleiter von Apollinaris & Schweppes in Bad Neuenahr, Björn Liedtke, bedauerte, dass das "Ahrtal vom Güterverkehr abgehängt wird". Seine Firma habe nach wie vor großes Interesse, Güter mit der Bahn zu verschicken, vor allem auch im Hinblick auf die für 2003 beschlossene Lkw-Maut. "Aber das Gütervolumen auf der Ahrtalstrecke ist offensichtlich nicht groß genug für die DB Cargo", so Liedtke. Deshalb werde in seinem Hause auch nach Wegen gesucht, das Volumen in Absprache mit den Kunden zu erhöhen. Man stehe zudem in engem Kontakt mit der DB Cargo, aber bislang "sind die Preise im Vergleich zum Lkw zu hoch, und der Service lässt zu Wünschen übrig", kritisiert Liedtke. "Standortnachteil für den gesamten Kreis" Firmenchef Erwin Schmitt aus Heimersheim ist enttäuscht, dass "der Kreis Ahrweiler seinen letzten Güterverkehr-Zugang zum Schienenetz verliert". Dies sei ein Standortnachteil für den gesamten Kreis. Etwa 130 Waggons hat seine Firma nach eigenen Angaben pro Jahr auf die Reise geschickt. Schmitt wirft der DB Cargo Desinteresse vor, der Rückzug aus der Fläche werde konsequent fortgesetzt. Die private Rhein-Sieg Eisenbahn (RSE) sei zwar bereit, weiter nach Bad Neuenahr zu fahren und die Waggons zum Rangierbahnhof nach Köln zu bringen, dies werde aber "durch realitätsferne Preisforderungen seitens DB Cargo massiv behindert". Beispiele für eine gelungene Weiterführung des Güterverkehrs durch Privatbahnen gebe es in Gerolstein und Bitburg. "Jetzt sind Landrat und Ministerium in Mainz gefordert", so Schmitt abschließend. Pressesprecher Kröger wies die Vorwürfe zurück: "Es gibt keine realitätsfernen Preisforderungen, und die Gespräche mit der RSE laufen noch." Die Zusammenarbeit mit den Privatbahnen sei gut, in Bitburg werde derzeit noch verhandelt. Quelle: RAR vom 03.10.2001. |