RÖWA



Röwa
 

Kataloge, Neuheiten u.a.
 
1968-1975
 

Willi Ade verkauft 1958 die von ihm gegründete Modellbahn-Zubehör-Firma WIAD. H0-Auftragsproduktionen für Trix. Seit 1968 eigener Vertrieb. 1969-1972 Produktion von Spur N-Modellen (1972 fast vollständig an Trix verkauft). 1975 Konkurs.

Das im Nachfolgenden beschriebene Buch müßte eigentlich 'Der Willi-Ade Sammlerkatalog’ heißen. Die Firma

 Röwa Plastic GmbH (später Röwa Modelleisenbahnen GmbH)
 Kelterstr. 15
 7441 Unterensingen (Neckar)
 Tel. 07022/6876

war wohl der langgehegte Traum des Vollbluttechnikers Willi Ade, der sich mit ihr die wirtschaftliche Nutzung seiner vielen Ideen und Patente erschließen wollte.

Er verkaufte 1958 die von ihm gegründete Modellbahn-Zubehörfirma WIAD, um sich auf die Konstruktion und Produktion von Modellbahnen zu verlagern. Danach war er lange Jahre für HO-Auftragsproduktionen des Herstellers TRIX verantwortlich, bevor er im Herbst 1968 den Weg in die vollständige Selbständigkeit mit eigenem Vertrieb wagte. Ades Produkte waren immer in der einen oder anderen Art eine kleine Pionierleistung voller technischer Überraschungen.

Willi Ades Name steht in der Modellbahnentwicklung für:

 - technische Innovation
 - rationelle Fertigungsmethoden
 - ungewöhnlichen Detaillierungsgrad
 - Perfektionismus

Er war derjenige, der der Branche zeigte, wie der Werkstoff Kunststoff verarbeitet werden kann.  In Zeiten, wo Märklin noch 24cm Blechwagen ohne Inneneinrichtung als Messeneuheit vorstellte, waren Ades Reisezugwagen für TRIX nahezu revolutionär und bereits mit all dem ausgestattet, was man heute als selbstverständlich erachtet: Schnellzugwagen im Längenmaßstab 1:100, Inneneinrichtung, auswechselbare Radsätze/Kupplungen für alle Systeme, detaillierte Unterseiten, freistehende Details, eingesetzte Fenster etc..

Als technischer Kopf bei Röwa hat er der Modellbahnentwicklung nachdrücklich seinen Stempel aufgedrückt; er hat die Standards, das technische Niveau der 80er und 90er Jahre gesetzt. Röwa hat als erster Hersteller die kurvengeführte Kurzkupplung eingeführt, ein Gleissystem mit Böschungskörper und nur 2 mm hohen Profilen kreiert und im Punkte Detaillierung und Maßstäblichkeit Zeichen gesetzt, die auch heute bei noch längst nicht jedem Hersteller zum Standard gehören. Während die etablierten Hersteller ihre alten 'Schätzchen' Jahr für Jahr im Programm unverändert weiterproduzierten, wurden bei Röwa regelmäßig alle Modelle dem neuesten Stand der Technik angepaßt. So entfielen 1972 alle Reisezugwagen (1:100) in ihrer bisherigen Form und wurden durch solche mit Kurzkupplungskulisse ersetzt.

Leider hat die Firma Röwa 1975 der Konkurs ereilt. Zwei Faktoren waren wohl ausschlaggebend: Zum einen der Konkurs des Röwa-Hauptgesellschafters Rokal im Herbst 1974 aber auch der relative kleine Marktanteil im Modellbahnsektor. Man war zwar der Konkurrenz technisch weit voraus, konnte jedoch aufgrund der doch recht hohen Preisempfehlungen der Modelle (auch aufgrund der Ölkrise von ´73 mit ihren drastischen Preissteigerungen von bis zu 30%) nur den 'echten' Modellbahner als Kunden gewinnen. Die breite Masse hatte Anfang der 70er Jahre einfach noch nicht den Wunsch nach Superdetaillierung. Dieses zeigen Vergleiche, die  zwischen den Neuerscheinungen bei Röwa und den anderen etablierten Herstellern in der Jahreschronik des Sammlerkatalogs immer wieder gezogen werden.

Neben diesen Innovationen, die Röwa den Modellbahnern hinterlassen hat, gibt es noch weitere Folgeergebnisse, die sich aus der Existenz und dem Scheitern der Firma Röwa ergeben haben und bis heute ihre Wirkung zeigen:

- Die Firma Trix hat den Bruch mit Willi Ade fast 10 Jahre lang nicht überwinden können; das HO-Sortiment stagnierte auf dem Stand von 1965. Die Chance, sich mit Superdetaillierung auf dem 2-Leiter-International-Markt zu etablieren, und das Image der Spielzeugeisenbahn ('TRIX-Express') zu verlieren, wurde verpaßt. Vielleicht hätte man nicht jahrelang als “Vertriebskanal” der Firmen Märklin und Fleischmann agieren müssen, wenn man den 1961-1968 eingeschlagenen Weg konsequent weiter verfolgt hätte. Vielleicht wäre auch die “Hochzeit” mit Märklin zu vermeiden gewesen .....?

 - Die Firma Roco, Käufer der HO-Fahrzeug- und Zubehörformen, wäre auf dem deutschen Markt nie so schnell zu dem geworden, was sie heute ist. Selbst im aktuellen Katalog findet man immer noch Modelle und Varianten, die aus Willi Ades Formen stammen. Rocos Verdienst ist jedoch ohne Zweifel der, daß man produktionsgerechter an die weitere Vermarktung des Röwa-Erbes herangegangen ist und deshalb mit einer niedrigeren Preisgestaltung den “Großen” der Branche Marktanteile abnehmen konnte. Dieses wirkte nachdrücklich auf das Detailempfinden vieler Modellbahner, die heute Roco-Kunden sind.

Röwas Geschäftserfolg hing jedoch auch maßgeblich am Engagement in der Spurweite N und TT. N-Modelle waren 1969 vorgestellt worden und wiesen ebenfalls eine bis dahin unerreichte Detaillierung auf. 1972 wurde nahezu der gesamte N-Bereich an TRIX verkauft. Die Modelle sind zum Teil heute noch im Sortiment. Die US-Modelle gingen an Bemo, Rivarossi und MRC/ConCor.

Dafür hatte Röwa nach dem Rokal-Einstieg 1972 die TT-Werkzeuge übernommen und versprach  eine komplette Überarbeitung mit Neuerscheinungen aus eigener Fertigung. Aber hier gingen die Aktivitäten über die Vorstellung eines Containerwagens und einer 11 Grad Weiche nicht hinaus. Im Katalog 1972/73 waren zwar viele Dinge angekündigt, zur Auslieferung gelangten sie jedoch nie. Kaufmännisch war ein Engagement in Spur TT in Westdeutschland einfach nicht zu vertreten und hat die Röwa sehr viel Geld gekostet. Die Rokal-Formen sind nach Zusammenbruch Röwas nie wieder am Markt aufgetaucht. Die Containerwagen wurden später von Roco reaktiviert.

Im Röwa-Sammlerkatalog  wird  mit einer Jahreschronik der Weg Willi Ades nachgezeichnet. Zunächst werden in einer Kurzübersicht jeweils die Highlights des Jahres vorgestellt, die dann im 2. Schritt ausführlich besprochen werden.

Die Jahre 1961 bis 1968 sind deshalb interessant, da sie die langsame Entwicklung von der Spielbahn zur Modellbahn sehr deutlich widerspiegeln.

Bevor 1966-68 die Supermodelle bei TRIX auf den Markt kamen, wurde eine Modellpolitik der kleinen Schritte verfolgt, die jedoch immer eindeutig Ades Handschrift trugen. So wurden Blech-/Guß-Modelle durch Kunststoffnachfolger ersetzt, die mit Cellon hinterlegten Fensteröffnungen wurden durch paßgenau eingesetzte Fenster abgelöst. Kupplungen und Radsätze wurden tauschbar, die Unterseiten der Modelle detaillierter. Aufwendige Fertigungsschritte (Schrauben, Nieten etc.) wurden dank pfiffiger Konstruktionen Zug um Zug durch Klips- / Klemm- und Klebetechnik ersetzt.

Die Beschriftung der Modelle war zuerst angegossen gewesen und wurde dann zunächst im Siebdruckverfahren, später dann im sogenannten Tampon-druckverfahren, welches sehr kleine, jedoch lesbare Beschriftungen zuließ, aufgedruckt. Trennlinien und Konturen wurden wesentlich schärfer.

In unserem Röwa-Sammlerkatalog finden Sie ebenfalls eine komplett bebilderte Preisliste mit aktuellen Marktpreisen aller H0- und N-Modelle, sowie eine Übersicht aller Röwa-Artikelnummern. Eigene Kapitel mit speziellen Themen wie Werbemodelle, N- und TT-Engagement, Betriebs- und Reparaturanleitungen, Verpackungen, Zubehör, Kataloge/Broschüren, der Konkurs usw. runden das Buch ab.

Waren in den 50er Jahren die Gußmodelle in ihrer Art und Ausführung wegweisend gewesen, geriet die Firma TRIX durch den zu Beginn der 60er Jahre einsetzenden Siegeszug des Kunststoffs [Trix - Die vollkommene Modelleisenbahn] in Zugzwang. Fleischmann, Arnold, Rokal und auch Märklin hatten erkannt, daß Kunststoffmodelle (Kombimodelle aus Kunststoff auf Metallfahrwerk und Ganzkunststoff-Modelle) preiswerter in der Herstellung waren und sich Details besser herausarbeiten ließen. Auch das Gewicht dieser Modelle spielte eine wichtige Rolle, da man so in der Lokkonstruktion und -Preisgestaltung sparen konnte.

Einen Anfang bei TRIX bildeten die Kunststoffmodelle zur Batteriebahn von 1959. Sie basierten auf den Guß-Vorläufermodellen, waren jedoch so leicht, daß die 6V-Batterielok (mit Distlermotor) sie ziehen konnte. Diese Wagenmodelle blieben in Varianten bis in die 80er Jahre im TRIX-Sortiment.

Noch zu WIAD-Zeiten hatte Dr.Rudolf Insam (+1971) als Leiter der Konstruktions- und Entwicklungs-abteilung bei TRIX seit 1939 immer wieder Kontakt zu Willi Ade gesucht. WIAD und Röwa hatten immer wieder kleinere Aufträge von TRIX bekommen, damit Dr.Insam Muster für die Möglichkeiten der Kunststoff-Fertigung bei der Geschäftsleitung vorzeigen konnte. Bei TRIX reifte langsam die Einsicht, daß man mit den bisherigen Blech- und Guß-Modelle nicht mehr konkurrenzfähig und Herstellung zu teuer sei. Dr. Insam als treibende Kraft der Erneuerung von der Spielbahn zur Modellbahn, glaubte in Willi Ade einen dauerhaften, verläßlichen Partner mit Know-how gefunden zu haben,  mußte jedoch ständig gegen eine sehr konservative Geschäftsleitung bei TRIX ankämpfen.

Und so ging es 1960/61 zunächst darum, die veralteten Blech-D-Zugwagen abzulösen. Willi Ade schlug den Längenmasstab 1:100 vor, Röwa wollte sogar die Kosten für die Formen tragen.

      Willi Ade: “Brasils auf Rädern mache ich nicht”; “Nehmt doch kürzere Vorbilder”.

Den Einwand von TRIX, daß die 1:100-Modelle teurer werden würden, bezeichnete Willi Ade als Quatsch:

      “Die Form wird einfach um je 2 cm verlängert, sonst nichts !”

Es gab auch das, wohl nicht ganz ernst gemeinte, Argument, daß noch ca. 3000 kurze Kartons für Wagen vorhanden seien und diese noch mit Stück 0.08 DM zu bewerten seien.

Die Herren bei TRIX bestanden jedoch auf den 23,5 cm Wagen, da man den Kunden die Kompatibilität mit ihren bisherigen TRIX-Gleisen zusichern müsse; Willi Ade riet daraufhin seiner eigenen Firmenleitung von der Übernahme der Kosten für die Formen ab und so bezahlte und bestellte TRIX die Produktion von 6 D-Zugwagen-Modellen:

 -Touropa-Fernexpreß-Wagen
 -Eilzugwagen mit Mitteleinstieg
 -Schlafwagen
 -Speisewagen
 -Personenwagen 1./2.Klasse
 -Packwagen

Da keine Zeichnungen von TRIX zur Verfügung standen, fertigte Willi Ade sie an. Er nutzte seine 1:100 Zeichnungen und schnitt “einfach” 2 Fenster heraus.  Die Zeit drängte; TRIX wollte die Modelle zur Messe 1961 vorstellen. Bei Röwa arbeitete man rund um die Uhr. Willi Ade holte in dieser Situation einen Ex-Heimarbeiter der WIAD als Graveur (siehe Röwa Report 2) in die Firma. Er kam von Zeiss und war ein “Meister seines Faches”. In der Folge war er für alle Röwa-Modelle bis 1975 verantwortlich.

Die 6 Wagen wurden tatsächlich bis zur Messe fertig und noch auf Blechdrehgestellen stehend, dort sehr positiv aufgenommen. Als erste TRIX-Modelle hatten sie auf Willi Ade‘s Betreiben keine erhabene Beschriftung mehr auf den Wagenkästen, sondern waren im Plandruck (Siebdruck) bedruckt. Der später daraus entstandene Tampondruck und die bewegliche, verschiebbare Pufferbohle waren wieder Willi Ade Patente.

Die Wagen werden so erfolgreich, daß sie eine ganze Jahresproduktion bei Röwa absichern. An Spitzentagen wurden pro Type bis zu 4000 Stück gefertigt.

Zwar konnte Ade nicht immer so schnell wie er wollte, doch nach und nach liessen sich wohl die Spielbahner im Haus TRIX von der Richtigkeit seines Weges überzeugen.

Willi Ade bezeichnete die Express-Räder gegenüber der TRIX-Geschäftsleitung als “Holzräder”; seine  Anpreisung der neuen D-Zugwagen-Modelle mit “schönen Rädern” (Normräder) als “zu Märklin passend” löste eine Revolution im Hause TRIX aus. “Wir machen doch keine Reklame für die Konkurrenz !!”.

Erst ganz langsam übernahm man Willi Ade’s Gedanken von der “Universellen Modellbahn”.

 Willi Ade: “Nehmen Sie das Beipiel der Papiertaschentücher; jedermann bestellt Tempos, kauft aber die Billigsten. Einen ähnlichen Namen hat die Firma Märklin ! Bietet TRIX nun zu Märklin passende Modelle an, so nutzt man den Bekanntheitsgrad für sich.”

Da die Firma TRIX sich durch Unflexibilität auszeichnet, einigte man sich auf Betreiben von Dr. Insam für die zukünftigen Entwicklungen mit Willi Ade/Röwa in der Form, daß TRIX die Kostenvorgabe machen und Willi Ade die Modellauswahl treffen sollte. So entstehen in den nächsten Jahren der Adler, der VT08, der ELD, 3-achsige Umbau-wagen (mit patentierter Lenkachse), 4-achsige Umbauwagen, die 3 alten Preussen und die 3 Nirosta-Silberlinge. Alle mehr oder weniger verkürzt, so daß sie zu den 23,5cm Wagen passten.

Im Rückblick sind folgende, geplante, Entwicklungphasen innerhalb von 8-10 Jahren zu erkennen, um das gesamte TRIX-Sortiment zu erneuern und auf das “2-Leiter Gleichstrom-International” - System  umzustellen:

Phase 1 (61-63):“Zeit überbrücken, aber im Gespräch bleiben, vertreten auf allen Systemen”

      neue D-Zug-Wagen nach aktuellen Vorbildern in Vollkunststoff
      Güterwagen-Kombimodelle, Kunststoff auf Metallfahrwerk
      Kooperation mit Rivarossi für Güterwagen und ältere Personenwagen
      TRIX-Express-Modelle als Rivarossi-Variante in 2-L-Gleichstrom
      Adler, VT08 und Holland-Triebwagen als erste TRIX-Triebfahrzeuge mit Kunststoffgehäuse
      Alle Neuheiten verfügbar für alle Systeme (Express, 2-L GL-Strom, Märklin)

Phase 2 (63-65):“Weg von TRIX-Express: Schwerpunkt 2-L GL-Strom. International”

      V100 in Gemischtbauweise
      Ergänzung der D-Zugwagen-Serie um Umbau-/Nahverkehrswagen
      und Preussen-Oldtimer
      alle Loks auch in 2-L-Gleichstrom-Ausführung (International)
      neues Gleissystem (Express und International)
      Tauschradsätze, Universalkupplung

Phase 3 (66-68):“Innovation, Abschneiden alter ‚Zöpfe‘ ”

      Lange D-Zug-Wagen 1:100
      Ältere Personenwagen in Superdetaillierung
      Supermodell-Güterwagen als Ablösung der Gußmodelle
      Große Radien für das neue Gleissystem (geplant, nicht mehr realisiert)
      Tauschkupplungen
      Dampflok T3 in Vollkunststoff-Ausführung
      Diesellok V160 (Kunststoff, geplant aber erst bei Röwa ausgeliefert)
      Containertragwagen (geplant, aber erst bei Röwa ausgeliefert)

In Phase 4 (“Express ade") wäre dann wohl der Wegfall der Guß-/Kombimodelle erfolgt  und das Express-System über kurz oder lang ausgelaufen, aber leider kam es ganz anders......

.... neugierig geworden ? Dann gönnen Sie sich doch den großen

Röwa-Sammlerkatalog 2002/2003

Mit seinen über 360 Seiten in 2 Bänden im DIN-A4-Format ist er zum Preis von EURO 35,- (incl.Inlands-Porto) in seiner nunmehr 4.Auflage erschienen.

Die Röwa-Katalog-CD stellt die ideale Ergänzung zum Sammlerkatalog dar ! Zum Preis von EURO 18,- (incl.Inlands-Porto) erhalten Sie mit ihr ca. 1100 Bilder zum [Röwa Katalog-CD] Thema Röwa:

 Alle Kataloge von 1969 bis 1975
 Die Röwa-Reporte
 Neuheitenprospekte und Preislisten
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Ebenfalls enthalten sind 2 Programme zur Bildbetrachtung und Bildbearbeitung. Auch ein Ausdruck (in Farbe) ist damit möglich. Alle Bilder sind im JPEG-Format gespeichert.

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www.roewa-bahn.de